HSV: Der statistische Effekt von Fink

Der HSV hat mal wieder Zuhause verloren. 7 Niederlage im eigenen Stadion stehen gerade mal zwei (!) Siege gegen Nürnberg und Hoffenheim gegenüber. Gerade für das Hamburger Umfeld, das ja bekannt für ein, nennen wir es „ambitioniertes“ Anspruchdenken ist, eine Pille, die schwer zu schlucken ist. Die 1:3 Heimniederlage schmerzt natürlich umso mehr, da sie gegen einen direkten Gegner im Abstiegskampf, Freiburg, kam.

Seit dem 10. Spieltag ist Fink nun der Trainer beim HSV. Das seine neue Taktik erfolgreicher ist als die von Ex-Trainer Michael Oenning steht außer Frage (nur ein Sieg in 14 Spielen als HSV-Trainer). Eine sehr gute und interessante Analyse dazu gibt es auf spielverlagerung.de. In ihrer Analyse beschreiben sie Fink’s Marschroute: Offensiv, dominant und unberechenbar. Mit einem 4-4-2, das durch das Zurückfallen eines der defensiven Mittelfeldspieler zum 3-5-2 wird. Diese Rolle, das Herzstück der Taktik von Fink, stand bisher Tomas Rincon zu. Doch trotz dem verletzten Kacar wählte Fink gestern Tesche als Ersatz neben dem neuerdings wieder gesetzten Jarolim. Rincon? Saß das ganze Spiel über auf der Bank. Ich glaube persönlich, dass Rincon kein schlechter Fußballer ist, aber das Herzstück eines Teams kann er nicht sein. Das gilt aber leider auch für jeden anderen HSV-Spieler im defensiven Mittelfeld. Und daher glaube ich auch nicht, das Torsten Fink mit dieser Mannschaft erfolgreich (im Sinen des HSV, also internationale Plätze) sein kann, zumindest nicht mit seiner favoristierten Taktik.

Aber da einige Kommentatoren seinen neuen Stil als großartig, modern undteilweise auch als wundersam gefeiert haben, die großen Erfolge aber bisher noch ausblieben, möchte ich mal einen statistischen Blick auf den HSV vor und mit Torsten Fink werfen.

Die Analyse

Werfen wir gleich einen Blick auf die Statistik, die Finks Offensiv-Drang nachweist: Torschüsse (Zwar sind Tore allgemeinhin als der Ausdruck von Offensive bekannt, aber ein System eines Trainers kann ein Team so beeinflussen, dass es zu mehr Torschüssen kommt. Wirklich Einfluss auf die Kaltschnäuzigkeit hat ein Trainer weniger).

Und hier lässt sich feststellen, dass Fink dem HSV deutlich mehr Offensive verpassen konnte. Der Zeitpunkt ab der Fink Übernahme ist markiert und seitdem gab es eine deutlichen Zuwachs an Torschüssen des HSV auf den Kasten des Gegners. Sein System hat dafür gesorgt, dass der HSV pro Spiel im Schnitt 5 Torschüsse mehr hat als vor seiner Ära. Und diese Zuwachs kommt auch durch den wichtigeren Teil der Torschussstatistik: Die Torschüsse innerhalb des Strafraums. Hier konnte der HSV durch das System Fink einen Zuwachs von eben jenen 5 Torschüssen verzeichnen. Mit anderen Worten hat er es geschafft, das der HSV sich besser in den Strafraum rein kombiniert und dort auch zum Abschluss kommt. Im Vergleich zum HSV unter Oenning, bei dem das Team in 6 Spielen 5-mal weniger als 10 Torschüsse hatte. Oenning musste in diesen 6 Spielen gegen Bayern, Gladbach und Dortmund ran, die stärksten Defensiven der Bundesliga. Aber auch im Vergleich gegen diese drei Gegner ist der Effekt von Fink deutlich bemerkbar: Oenning im Schnitt 5 Torschüsse gegen die TOP3, Fink 12 Torschüsse.

Datenquelle: bundesliga.de

Zweiter Systempunkt von Fink war der Wunsch nach Dominanz. Statistisch lässt sich dies durch den Ballbesitz und die Ballkontakte am ehesten belegen. Und auch hier ist Finks Handschrift deutlich erkennbar. Seit seinem Amtsantritt hat sich der durchschnittliche Ballbesitz von 48% auf 54% erhöht. In seinem System zirkuliert der länger in den eigenen Reihen bevor auf Offensive umgestellt wird. Deutlich wird sein System auch in den Ballkontakten. Waren es noch 565 Ballkontakte vor Fink, sind es nun 638 Ballkontakte pro Spiel. Somit haben die HSV-Spieler 73 bzw. 13% mehr Ballkontakte. Sicherlich ein Zeichen für mehr Dominanz auf dem Spielfeld.

Auffällig ist aber wieder, dass der HSV in meinen Augen nicht die Qualität besitzt, um mit dem System Fink erfolgreich zu sein. Zumindest momentan. Denn wenn der HSV deutlich mehr Ballbesitz hat und somit das Spiel dominiert, fahren sie schwache Ergebnisse ein. Als dominanteres Team im Fußball gilt meiner Meinung nach ein Ballbesitz um die 60%-Grenze. Diese Grenze hatte der HSV unter Fink gegen Wolfsburg, Hannover, Augsburg, Köln, Bremen und Freiburg. Bilanz aus diesen 6 Spielen: 1 Sieg, 3 Unentschieden,2 Niederlagen und 6:9 Toren. In allen 6 Spielen hat der HSV zwar ein Tor erzielt, aber leider auch immer nur ein einziges. Gerade Zuhause gegen Wolfsburg, Augsburg und Freiburg muss eine Mannschaft wie der HSV gewinnen, wenn sie das Spiel auch noch derart kontrollieren.

Datenquelle: bundesliga.de

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Der dritte Punkt Unberechenbarkeit lässt sich leider statistisch kaum belegen. Jedoch lässt sich in meinen Augen definitiv ein Unterschied zum HSV vor und mit Fink ausmachen. Insgesamt konnte er mit seinem System, dem HSV durchaus mehr Offensivkraft und Dominanz beibringen, allerdings, wie vorher schon angemerkt, haben die HSV-Spieler einfach nicht Qualität, um auch adäquate Ergebnisse einzufahren. Die Innenverteidiger sind nicht sicher genug im Spielaufbau und das Herzstück des Systems, einer der defensiven Mittelfeldspieler, ist nicht im Kader. Ein David Jarolim ist sicherlich ein guter Balleroberer, aber Offensiv und Unberechenbarkeit sind zwei Attribute, die man mit ihm sicherlich nicht verbinden kann. Der Mix von Älteren und Jüngeren ist zumindest in der ersten Saison nicht effizient genug. Ich denke, dass Torsen Fink eine moderne und durchaus erfolgreiche Taktik hat, aber in dem momentanen Zustand des Teams, ist diese nicht Erfolgsbringend. Entweder Zeit oder neue Spieler sind definitiv nötig, bevor das Hamburger Umfeld wieder berechtigt von internationalen Partien träumen kann.

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5 thoughts on “HSV: Der statistische Effekt von Fink

  1. sicher hat du in vielen punkten recht. ich denke man muss auxh das Herthaspiel hinzunehmen, wo man zumindest 75.min lang dominiert haben sollte. an dem spiel lässt sich ein weiterer oft unterschätzter vorteil aufzeigen. man hält den druck von der eigenen viererkette fern. gerade als man sich zum schluss fallen ließ brannte es lichterloh. gerade im defensivverhalten im 442-part des systems sind wir anfällig und bekommen die gegentore bvb u werder ausgenommen. domimanz ist hier auch verteidigung. auch musst du berücksichtigen dass man zB gg wolfsburg u werder auch früh zurücklag. da muss man überhaupt erstmal zurückkommen. zudem ist wob nicht unbedingt ein team gg das man gewinnen muss. auch sind es immer wieder standards die uns um den lohn bringen. 20 standardsgegentore ich weiß grad gar net wieviel elfmeter wir schon verschuldet haben..?! und der psychologische effekt am ende nicht zu vergessen. ich würde abschließend sogar sagen dass finks taktik ums noch da stehen lässt wo wir sind. ich mag auch gar nicht wirklich behaupten dass sie ausser der 3erkette und ballbesitz so groß was mit barca gemein hat. sie hat uns am ende gebracht was du oben anführst die möglichkeit struktur reinzubringen u auch mal ein spiel zu gewinnen. wenn man die quervergleiche zu köln u hertha aus der hinrunde zieht sind wir stabiler geworden. die spieler haben einen plan der natürlich nicht immer aufgeht. auch sind die spieler nicht unbedingt alle zu schlecht u dass ein spieler mit spielübersicht fehlt gerade im DM fällt dir mMn in jedem system auf die füsse. auch wenn du kontern willst und schnell umschalten. und ja wir brauchen zeit und neue spieler. nur kann man nicht auf einmal alle rauswerfen und ersetzen, sondern muss mit den limitierten möglichkeiten auskommen die man hat. und da sind gerade die offensiven flügel wie schon seit dem abgang von vdv unser kapital. selbst meeeeehdi war sehr offensiv u guuuuuuy brachte es nur net so in der offensive ohne def wirklich stabil zu sein. ich denke gerade auf grund der off. AV haben wir überhaupt die möglichkeiten spiele zu gewinnen wie gg hertha 2mal durch vorbereitung diekmeier. wir müssen nur endlich bei standards und situationen wo wir tief stehen ordentlich verteidigen! sonst verlierst du mit jedem system.

    • Auf jeden Fall gute Anmerkungen. Insgesamt denke ich auch, dass Fink ein gutes System hat, aber der HSV halt einfach nicht das richtige Personal. Und dazu müsste vermutlich ein zweiter Dante her, einer der bei Standards sehr stark ist, um die von dir angesprochene Standardmisere zu beenden bzw. zu minimieren.

      Zu Wolfsburg: Der HSV hat ja Zuhause gegen Wolfsburg gespielt und die Wolfsburger haben auswärts u.a. folgende Ergebnisse vorzuwesein: 0:3 gegen Freiburg und 0:2 gegen Augsburg, und natürlich bei allen besseren Teams verloren, teilweise sehr hoch. Dieses Team hat die letzten zwei Spiele in fremden Stadien einen Sieg und ein Unentschieden erreicht. Aber davor in 10 aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen nur einen einzigen Punkt, eben gegen den HSV. Ich denke schon, dass ein Sieg zu dem damaligen Zeitpunkt Pflicht war.

      6ps

      • aber du weißt schon dass wob mit gefühlt dem ersten angriff (2. min) getroffen hat und dann sowas schwer werden kann gegen jeden gegner? Bei 20:7 torschüssen, kann man irgendwann nicht viel mehr machen und es war finks erstes spiel. d.h. unmittelbar nach der systemänderung. ebenso haben wir gegen augsburg und stuttgart(pokal) viele gute chancen liegen lassen, warum auch immer ist es manchmal dann keine systemfrage und in kontersystemen ist die chancenausnutzung noch viel wichtiger. Da bist du gezwungen aus noch weniger mehr zu machen.

        btw. offensiv waren bei standarts sowohl westermann als auch bruma u boban erfolgreich. es ist für mich eher ein konzentrationsproblem als unbedingt vom spielertyp oder fehlender qualität. selbst ein dante würd bei uns irgendwann die fehler machen habe ich mittlerweile das gefühl, es ist zZ die pure verunsicherung die mitspielt. auch sind es zB mit Jansen, Petric und Ivo offensive Spieler die oft ihre Zuordnung verlieren. wenn wir mit 2 kleinen DM (Rincon/Jaro) spielen haben wir mMn Probleme, weil evtl. nicht genug kopfballstarke leute dabei sind.. Wie gesagt, ich glaube sogar, dass der HSV mit dem Fink-System noch am ehesten funktioniert, selbst mit dem Personal nicht viel anderes möglich ist und wir an den Folgen früherer Transfermisserfolge bzw. fehlenden Konzept- und Systemstabilität zu knabbern haben. Dazu kommen permanente Verletzungen oder der sehr schwerwiegende lange Guerrero“ausfall“. Das vorhandene Personal sollte von Natur aus aber fähig sein, nen Mittelfeldplatz zu erreichen bzw den Abstieg zu verhindern, selbst wenn wir für das System nicht perfekt ausgerichtet sind. Natürlich brauchen wir noch einen starken stabilen DM , der das Spiel lenken und schnell umschalten kann und den Ball sicher in der Vorwärtsbewegung führt. – einen TW der mitspielen kann um das gegnerische Pressing (mit 3 Spielern wie BVB,SVW, Mainz) besser aufzulösen. und es muss sich weiterentwickelt werden – viele Fehler passieren auch noch wenn wir hinten drin stehen und Ivo und Töre im 4-4-2 noch defensiv zu wenig/schlecht mitarbeiten. Hinzu kommt das wir keinen überragenden Reus im Team haben sodass man sich wirklich erstmal hinten rein stellen kann.

        Mal sehen wie’s die nächsten Spiele aussieht. Auswärts scheint uns eh mehr zu liegen weil der Gegner schon psychologisch nicht unbedingt sich hinten rein stellen kann.Die wichtigen Partien zu Beginn hat man gewonnen, unerwartete Punkte gg Bayern und Gladbach geholt. Hätte viel eher nochmal erwartet dass wir sogar schon auf nem Abstiegsplatz ständen. Die Spiele in WOB und Lautern werden jetzt den Weg zeigen. ;)

  2. Sehr gute statistische Analyse!

    Ich sehe es genauso, das man unter Fink verbessert ist, sein System aber Zeit braucht um zu funktionieren. In der Schweizer Liga war die Qualität natürlich eine andere und Fink hatte dort den besten Kader der Liga. Dies ist in Hamburg nicht der Fall.

    Wie ihr auch erwähnt fehlt in meinen Augen auf jeden Fall ein 8er von Format, da Rincon und Jarolim nicht diese Spielertypen sind. Dazu ist Drobny kein spielender Keeper und die Verteidigung „glänzt“ durch individuelle Fehler und ist am Ende natürlich oft der letzte Part in einer langen Fehlerkette.

    Wie hier auch richtig analysiert, basiert das Finksche System auf viel Ballbesitz und Dominanz, aber in gewisser weise auch darauf viele Tore zu erzielen um zu gewinnen. Und genau da dran happert es bei den Hamburger gerade. Schlechte Chancenauswertung, unglaublich schwach nach gegnerischen Standards, so wird es schwer.

    Wir haben das im Bezug auf das Wolfsburg Spiel auch ein wenig unter die Lupe genommen: http://rudelbildung-online.blogspot.com/2012/03/die-rudelbildung-vorschau-fur-den-27.html

  3. Pingback: Einzelspielanalyse: Wolfsburg – HSV 2:1 am 27. Spieltag. Gastbeitrag bei Rudelbildung « 6-Punkte-Spiel

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