Einzelspielanalyse: Wolfsburg – HSV 2:1 am 27. Spieltag. Gastbeitrag bei Rudelbildung

Der sehr lesenwerte Blog Rudelbildung hat mich um einen Gastbeitrag zum Spiel Wolfsburg-HSV vom 27. Spieltag gebeten. Diesen Artikel möchte ich natürlich auch hier posten und euch empfehlen den Rudelbildung-Blog zu besuchen. Ähnlich wie 6ps wird auch ein statistischer Ansatz verfolgt.

In Zukunft werde ich auch weitere Einzelspielanalysen anfertigen.

Nun der Gastbeitrag, auch hier abrufbar:

Wolfsburg-HSV 2:1

Im Freitagabendspiel konnte Wolfsburg den HSV mit 2:1 besiegen. Somit konnte sich auch die Mannschaft durchsetzen, die zurzeit einen kleinen Lauf hat. Wolfsburg ist nun 4 Spiele ungeschlagen und hat 3-mal hintereinander gewonnen. Währenddessen hat der HSV seit dem 21. Spieltag nicht mehr gewonnen, die 4. Niederlage in Folge kassiert und in den letzten 6 Spielen einen einzigen Punkt geholt.

Wenn man die Statistiken betrachtet, dann wird deutlich woran, es beim HSV mangelt und wie effizient Wolfsburg spielt. Es gibt wenige Mannschaften in der Bundesliga, die einen Spielmacher dringend nötiger hätten als diese beide Mannschaften. Die Tage von Misimovic und van der Vaart sind gefühlt Lichtjahre her, wenn man diese Mannschaften vergleicht. Aber eins der Teams hat sich dem angepasst, während das Andere verzweifelt versucht den Spielmacher im eigenen Kader zu finden. Und genau das macht hier eine statistische Analyse zwischen den beiden Teams so interessant.

Die Analyse

Beim Anblick der nackten Zahlen fallen gleich mehrere Dinge auf. Der HSV hatte, obwohl das Spiel auswärts in Wolfsburg stattfand, deutlich mehr Ballbesitz mit 56%.  Hinzu kommt eine bessere Passquote und mehr gelaufene Kilometer.

So wird deutlich, dass der HSV praktisch das Spiel machen musste und wie bereits in meinem letzten Blog-Artikel  angemerkt, genau hier das Problem liegt. Es fehlt schlicht am Spielmacher. So kommen die Bälle kaum zu den Stürmern. Und mit Wolfsburg standen sie einem Team gegenüber, dass ein ähnliches Problem hat, dieses aber vollkommen anders verarbeitet. Während der HSV den Ball lange hinten rum schiebt und durch die Mitte kommt (OBWOHL mittig kein Spielmachertyp vorhanden ist), versucht es Wolfsburg über die Außenbahn (WEIL mittig kein Spielmachertyp vorhanden ist).

Ein Blick auf die Werte relativer Ballbesitz (Spielerballkontakte relativ zu Team-Ballkontakten) verdeutlicht gleich die unterschiedlichen Spielansätze. Während die beiden Innenverteidiger des HSV, Westermann und Mancienne, beide jeweils fast 16% aller Ballkontakte des Teams haben, sind die beiden Wolfsburger Innenverteidiger, Russ und Felipe Lopes, mit 7% und 6% deutlich weniger am Ball. Auf absolute Zahlen runtergebrochen hatte das HSV-Innenverteidiger Duo gemeinsam 190 der 608 Ballkontakte des Teams. Die Wolfsburger nur 51 der 484 Ballkontakte.

Schauen wir uns die weitere Spieler mit den meisten Ballbesitzen an wird deutlich, dass beim HSV unter den Top 4 die beiden Innenverteidiger und die beiden defensiven Mittelfeldspieler sind, also die Mitte. Bei Wolfsburg sind alle vier Flügelspieler unter den Top5. Hinzu kommt beim HSV, dass alle Spieler in den Top5 Defensivakteure sind, während bei Wolfsburg mit Mandzukic, Dejagah und Schäfer die wichtigsten Offensivakteure, die meisten Bälle verarbeiten. Deutliche Aussage. Dies wird noch beängstigender für den HSV, wenn man die Ballkontakte der Stürmer vergleicht. Beim HSV hatten die Stürmer Petric (34), Berg (17) und Son (14) 65 der 608 Ballkontakte (10,7%). Die Wolfsburger Stürmer Mandzukic (61) und Helmes (33) 94 der 484 Ballkontakte (19,4%). Logisch, dass die Wolfsburger auch 15 Torschüsse hatten und die Hamburger nur 4.

Letztlich bleibt zu erwähnen, dass die Wolfsburger ohne den Spielmacher auf die Außenbahn ausgewichen sind und dadurch ihren Stürmern die Chance zum Abschluss ermöglicht haben.  Was sich eben deutlich in der Torschussstatistik niederschlägt. Der HSV wiederum hält eisen an Finks System fest, was sie zurück auf die Relegationsplätze gebracht hat. Der HSV bzw. Fink muss ernsthaft überlegen, wie lange er seine Taktik über die Mitte laufen lassen will, wenn der Spielmacher einfach fehlt. Dazu muss man kein Fußball-Experte sein, um zu sehen, dass die momentanen Spieler dazu nicht in der Lage sind und der Ball nicht über die Innenverteidiger zirkulieren kann bis es zum Abschluss kommt. Der tödliche Pass wird nie von Westermann oder Mancienne ausgehen. Und ebenso wenig von Rincon oder Jarolim. Die beiden spielen einen sicheren Pass wie ihre Passquoten in Grafik2 deutlich zeigen.  Ein gutes Beispiel kann Fink sich an Magath nehmen, der stattdessen über die Außen kommt und das Spiel von der Spielmacherabhängigkeit verlagert und so zumindest versucht das Beste aus seinem Kader zu schöpfen.

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